Die Abstammung Jesu

Die messianische Abstammungslinie
Der Stammbaum des Herrn Jesus liefert ein weiteres erstaunliches Beweisstück dafür, dass Gott der Autor der Bibel ist. Während der ganzen alttestamentlichen Zeit gab es immer wieder konkrete Prophezeiungen über die Abstammung des erwarteten Messias und über die dafür zu erfüllenden Bedingungen. Beispielsweise musste er

  1. aus der Nachkommenschaft Abrahams stammen (1. Mose 22,17; vgl. Galater 3,16)
  2. aus dem Stamm Juda sein (1. Mose 49,10)
  3. aus dem Haus Davids stammen (2. Samuel 7,13)
  4. ein rechtmäßiges Anrecht auf den Thron Davids haben (Jesaja 9,7)
  5. von einer Jungfrau geboren sein (Jesaja 7,14)
  6. Gott sein (Jesaja 9,6)

Während der Zeit des Alten Testaments versuchten vom Teufel inspirierte Menschen oftmals, die Abstammungslinie des Messias zu unterbrechen. Zum Beispiel erließ der Pharao einen Befehl, dass alle männlichen Neugeborenen der Israeliten umgebracht werden sollten (2. Mose 1,22), und Atalja, kurzzeitig Königin über Juda, ließ alle königlichen Nachkommen ermorden (2. Könige 11,1). Tatsächlich sah es oft so aus, als könnte die Verheißung eines göttlichen Retters, auf den die erforderlichen Bedingungen zutreffen, niemals mehr in Erfüllung gehen. Doch in Wirklichkeit geschah Folgendes: Gott obsiegte nicht nur über die Bosheit der Menschen, sondern machte ihre Übeltaten sogar seinen eigenen Zwecken dienlich. Wie er das zustande brachte, ist einer der spannendsten Krimis der Bibel!

Der Davidbund
In diesem Kapitel möchten wir uns mit einem einzelnen Beispiel beschäftigen: "dem Wunder der Abstammungslinie." Wir könnten es betiteln: "Wie der Fluch über Konja umgangen wurde." Zunächst müssen wir in die Zeit zurückkehren, als David König über Israel war. Gott gab ihm damals zwei bedingungslose Verheißungen (Psalm 89,5). Diese Verheißungen waren: 1.) dass der Thron Davids ewig Bestand haben werde (2. Samuel 7,12) und 2.) dass seine Nachkommen auf diesem Thron sitzen werden (2. Samuel 7,13). Anders ausgedrückt: David erhielt die bedingungslose Zusage, dass seine direkten Nachfahren bewahrt werden, sodass sie auf diesem Thron sitzen können. Diese Verheißung bezog sich natürlich insbesondere auf den wichtigsten aller dieser Nachkommen: auf den erwarteten Messias.

Die Nachfahren Davids
David hatte mehrere Söhne, doch das Anrecht auf den Thron ging nur auf einen dieser Söhne über, nämlich auf Salomo (1. Könige 1,30). Nur die Nachfahren der königlichen Linie erbten das Thronrecht. Anders gesagt, konnte man Nachkomme Davids sein, ohne das Recht auf den Thron zu haben.
Die Liste der Nachkommen Davids, denen das Thronrecht erteilt wurde, ist in Matthäus 1 aufgezeichnet. Diese Liste führt direkt zu Josef, dem Verlobten Marias (Vers 16):

01.) Salomo
02.) Rehabeam
03.) Abia
04.) Asa
05.) Josaphat
06.) Joram
07.) Usia
08.) Jotham
09.) Ahas
10.) Hiskia
11.) Manasse
12.) Amon
13.) Josia
14.) Jojakin (Konja)
15.) Schealthiel
16.) Serubbabel
17.) Abiud
18.) Eliakim
19.) Asor
20.) Zadok
21.) Achim
22.) Eliud
23.) Eleasar
24.) Matthan
25.) Jakob
26.) Josef


Der Fluch über den letzten König
Nummer 14 der Liste ist Jojakin, der auch Konja genannt wurde. Wenn wir Jeremia 22,30 aufschlagen, erfahren wir, dass Gott wegen der Sünde dieses Königs einen Fluch über ihn aussprach: "So spricht der HERR: Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, dem nichts gelingt in seinen Tagen! Denn von seinen Nachkommen wird es nicht einem gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin über Juda zu herrschen." Dieser Flucht bedeutete nicht unbedingt, dass Konja selbst niemals Kinder haben sollte, sondern vielmehr, dass keiner seiner Nachkommen jemals auf dem Thron Davids sitzen wird. Damit waren die rechtmäßigen Thronerben vom Thron verbannt.
Wenn wir wieder zum Stammbaum von Matthäus 1 zurückkehren, sehen wir, dass Josef, der Verlobte von Maria, ein direkter Nachkomme Konjas war. Das bedeutet, dass Josef zwar rechtmäßiger Thronerbe Davids war, da er der königlichen Linie Salomos entstammte, doch konnte er niemals auf diesem Thron sitzen, weil er unter dem Fluch über Konja stand. Doch darüber hinaus hatte diese Tatsache noch größere Tragweite: Wäre Jesus der tatsächliche Sohn Josefs gewesen, hätte auch er unter diesem Fluch gestanden und wäre niemals imstande gewesen, auf dem Thron Davids zu sitzen.
Dadurch ergibt sich ein schwerwiegendes Problem. Drei wichtige Bedingungen müssen erfüllt sein, die jedoch offenbar unmöglich alle drei zugleich erfüllt werden können:

  1. Jesus musste ein direkter Nachkomme Davids sein (um Gottes Verheißung an David zu erfüllen, dass Davids Nachkomme auf seinem Thron sitzen wird).
  2. Er musste auch der rechtmäßige Sohn von einem Nachkommen Konjas sein, um das Anrecht auf den Thron Davids zu erben.
  3. Er konnte kein echter Sohn eines Nachfahrens von Konja sein, denn dann hätte er unter Gottes Fluch über Konja gestanden.

Die Lösung des Problems
Konnte ein derartiges Problem jemals gelöst werden? Ja, Gott löste es durch das Wunder der jungfräulichen Geburt. Das verlangt unsere besondere Aufmerksamkeit. Der Stammbaum in Matthäus 1 verfolgt die königliche Linie von David bis Josef. Jesus war aber nicht der echte Sohn Josefs, denn bis zur Geburt Jesu hatte Josef mit seiner Frau Maria noch keinen Verkehr gehabt (Matthäus 1,25). Aber Josef nahm Jesus als seinen rechtmäßigen Sohn an und so erbte der Herr das Anrecht auf den Thron Davids. Jesus wurde der rechtmäßige Sohn Josefs, obwohl er nicht sein leiblicher Sohn war.
Nun bleibt aber immer noch eine Bedingung unerfüllt: Die Prophezeiung sagte, dass der Messias ein direkter Nachkomme Davids sein werde. Traf diese Bedingung auf Jesus zu? Die Antwort findet sich in Lukas 3,23-38, wo Marias Stammbaum aufgezeichnet ist. (Nach jüdischen Brauch wird die Frau selbst nicht genannt, stattdessen ihr Mann. Deshalb steht in Vers 23 nicht "ein Sohn der Maria", sondern "ein Sohn des Josef".) Dort sehen wir, dass Maria direkt von David abstammte, zwar nicht aus der königlichen Linie Salomos, auf welcher der Fluch über Konja lag, sondern durch Davids Sohn Nathan (Vers 31). Somit betraf der Fluch über Konja weder sie noch ihr Kind.
So können wir zusammenfassen. Jesus war der leibliche Sohn Marias und somit ein direkter Nachkomme Davids. In ihm erfüllte sich Gottes Verheißung, dass David in Ewigkeit einen Sohn haben wird, der auf seinem Thron sitzt. Jesus war der rechtmäßige Sohn Josefs, da Josef ihn als solchen annahm. Somit erbte Jesus das Anrecht auf den Thron Davids. Aber er war kein leiblicher Sohn Josefs und entging daher dem Fluch über Konja.
Nun müssen wir fragen: Wer hat dieses wunderbare Zusammenwirken von Umständen zustandegebracht? Erfordert ein solcher Kunstgriff, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt, nicht einen Erfinder, der die Jahrhunderte überblickt und im Griff hat? Die Abstammung Jesu ist sicherlich ein Werk Gottes. Kein Menschenverstand hätte die Abstammungslinie des Messias jemals in dieser Weise planen und durchführen können, wie sie sich in diesen göttlichen Verheißungen erfüllt hat, und dabei durch das Wunder der Jungfrauengeburt dem Fluch entgehen können.